FAQ - Häufig gestellte Fragen (und Antworten)

Für welche Zielgruppen arbeiten Schriftdolmetscher?

Schriftdolmetscher arbeiten meistens für spätertaubte und schwerhörige Menschen, sowie CI-Träger/Innen, die keine oder wenig Gebärdensprache beherrschen. Die Nutzung eines Gebärdensprachdolmetschers kommt für sie nicht in Frage. Daher kommen hier Schriftdolmetscher als kommunikative Brücke zwischen hörgeschädigten Menschen und Hörenden zum Einsatz.
Diese Menschen benötigen SchriftdolmetscherInnen, um Wortbeiträge verstehen zu können und eigene Gedanken, Ideen und Fragen aktiv in das Gespräch einbringen zu können. Voraussetzung ist, dass sie die deutsche Schriftsprache lesen und Verstehen können. Mittels Schriftdolmetscher haben sie wieder die Möglichkeit auf Teilhabe an kommunikativen Situationen
Gehörlose die lautsprachlich kompetent sind, können den Schriftdolmetscher ebenfalls als eine Ergänzung zum Gebärdensprachdolmetscher nutzen und tun dies verstärkt auch in beruflichen Situationen.
Leistungen und Angebote von Schriftdolmetschern werden auch von hörenden Menschen, Unternehmen, Verbänden, Institutionen und Ämtern genutzt. Sie legen dabei Wert auf die genaue Verschriftlichung, die heutzutage immer wichtiger wird, oder möchten den Gesprächsteilnehmern die Möglichkeit geben, Gesprochenes parallel mitzulesen.

In welchen Einsatzbereichen werden Schriftdolmetscher eingesetzt?

Schriftdolmetscher arbeiten in vielfältigen Bereichen. Ihre Einsatzfelder sind unter anderem:

Ausbildung, Schule , Studium :

  • Begleitung im Unterricht (Schulassistenz )
  • Begleitung im Ausbildungsbetrieb, Berufsschule (Ausbildungsassistenz)
  • Begleitung beim Studium (Studienassistenz)

Berufsleben:

  • Schriftdolmetschen bei Besprechungen, Teamsitzungen, Arbeitsgruppen
  • Schriftdolmetschen bei Personalentwicklungsgesprächen, Kündigungsverhandlungen, Konfliktgesprächen am Arbeitsplatz
  • Schwerbehindertenversammlungen, Betriebsversammlungen, Abteilungsbesprechungen

Gesundheit/Krankheit:

  • Arzt- und Therapeutengespräch 
  • Diagnose und Behandlungsgespräche im Krankenhaus
  • Präventionsgespräche

Rehabilitation

  • Gespräche und Behandlungen in Reha-Kliniken
  • Ambulante Reha-Beratung,
  • Beratung bei Krankenkasse und Servicestelle
  • Gerichte und rechtliche Beratung
  • Gerichtsverhandlung bei verschiedenen Gerichten
  • Anwaltliche Beratung 
  • Vernehmung bei Polizei und Justiz

Sonstige Bereiche:

  • Live-Mitschriften sowie Protokollerstellung
  • Versammlungen
  • Vorträge, Tagungen, Konferenzen
  • Aus-, Weiter- und Fortbildungen
  • politische Veranstaltungen
  • Gottesdienste
  • Live-Untertitelungen für visuelle Medien
  • allgemeiner Schreibservice für umfangreiche Texte
  • Theater und kulturelle Veranstaltungen
  • Protokollerstellung für Parlamente und Parteien

Und vieles mehr…
 

Wie ist das Schriftdolmetschen entstanden und welche Schriftdolmetsch-Verfahren gibt es?

Die derzeit in Deutschland zum Einsatz kommenden unterschiedlichen Schriftdolmetschverfahren sind aus der technologischen Entwicklung der Computerbranche heraus entstanden. Bis in die Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden bei Veranstaltungen im Selbsthilfebereich insbesondere bei Tagungen und Kongressen des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. so genannte Hellschreiber eingesetzt, also Personen die gesprochene Gesprächsinhalte oder Redebeiträge stichwortartig zusammenfassten und auf einem Overhead-Projektor für alle sichtbar an eine Projektionsfläche projizierten. Diese Form der Visualisierung von Kommunikations- inhalten war insbesondere für Ertaubte und hochgradig Schwerhörige eine Hilfestellung kommunikative Inhalte zu erfassen. Jedoch blieben die Mitschriften, handschriftlich erstellt oder auf Overhead-Folien kopierte maschinengeschriebene Texte immer nur eine fragmentarische bescheidene kommunikative Hilfestellung für die Erfassung von vollständigen Kommunikationsinhalten.

Mit dem Einzug der, zunehmend kostengünstigeren PC Technik bis hin zum erschwinglichen Laptop, veränderten sich die Mitschriften auf Tagungen und Seminaren. So genannte Maschinenschreibkräfte, die in der Lage waren circa 300-500 Anschläge im Maschinenschreiben sicher zu beherrschen, setzten sich zunehmend durch und verbesserten die kommunikative Situation Schwerhöriger dahingehend, dass wesentlich mehr Inhalte von Interaktions- und Kommunikationsprozessen zusammenfassend dargestellt und visualisiert werden konnten. Leider war auch diese kommunikative Hilfestellung immer noch zu großen Teilen fragmentarischer Natur und Schriftmittler, die über solch hohe Maschinenschreibleistung verfügten rar. Bis heute sind aber weiterhin noch Maschinenschreibkräfte tätig. Es besteht für diese nunmehr die Möglichkeit durch eine Qualifizierung den Abschluss eines Schriftdolmetschers nach der KHV zu erwerben und so in den verschiedensten Dolmetschsituationen tätig zu werden.
Mit der Einführung der computerkompatiblen Maschinensteno- graphie in Deutschland 2001 durch den Deutschen Schwer- hörigenbund e.V. in Zusammenarbeit mit einem Bildungsträger änderte sich die Situation schlagartig. Durch das in den USA und anderen angloamerikanischen Ländern praktizierte Stenographierverfahren war es erstmals möglich, gesprochene Sprache in "real-time" eins zu eins in die Schriftsprache zu übertragen.

Anfang 2006 wurde dann im deutschsprachigen Raum erstmals nach dem "Spracherkennungsverfahren" der Durchbruch erzielt. Diese technologische Entwicklung wurde begünstigt dadurch, dass die Prozessoren und Arbeitsspeicher der PC immer schneller und größer wurden , damit war es erstmal möglich auch mit diesem Verfahren Schriftdolmetscher auszubilden, die in der Lage sind eine faktische Simultanübersetzung von gesprochenem Wort in geschriebene Sprache umzusetzen.
Daher unterscheidet man heute im Bereich des Schrift- dolmetschens folgende Übetragungs- und Übersetzungs- verfahren. Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren sind aus der nachfolgenden Übersicht ersichtlich.

Was können Schriftdolmetscher nicht leisten?

Schriftdolmetscher erklären, beraten und helfen dem hörgeschädigten Kunden nicht. Sie sind nur Mittler für die Kommunikation zwischen Hörgeschädigten und Hörenden.

Schriftdolmetscher dürfen nicht für den Kunden Fragen stellen oder selbst Fragen beantworten, wenn sie nicht hierzu explizit durch den Kunden aufgefordert werden.

Schriftdolmetscher dürfen nicht ihre eigene Meinung oder Ansicht in Gespräche einbringen, auch wenn Sie von Hörenden dazu aufgefordert werden.
Schriftdolmetscher geben keine Mitschriften, ohne vorherige schriftliche Regelung, an den Kunden oder Dritte heraus .

Schriftdolmetscher sind zur Neutralität  verpflichtet.

Was benötigen Schriftdolmetscher für ihre Vorbereitung?

Die Vorbereitung jedes einzelnen Schriftdolmetschers ist sehr individuell, daher fragen Sie bitte bei der Vermittlungsstelle nach, welche vorbereitenden Unterlagen der jeweilige zum Einsatz kommende Schriftdolmetscher benötigt .

Die Vermittlungsstelle wird dies aber auch von sich aus, im Rahmen der Abklärungen zum Einsatz, mit Ihnen besprechen und Ihnen evtl. Anforderungen benennen.